Synergetik-Einzelsitzung: Hautkrebs

2. Teil

Kl.: Also bis zu den Türen komme ich gar nicht erst, die Sissi steht nämlich schon an der Treppe mit dem Kamm und dem Käse.

Th: Nimm sie dir. Sprich sie an.

Kl: Sissi, du wartest schon auf mich. Du hältst mir jetzt den Kamm so hin, was du damit sollst? Ich habe dir den ganzen Käse mal drangehängt, damit du mal siehst was ich empfunden habe, die ganze Zeit im Verhältnis mit dir, als du mich vollgeklebt hast. Du findest das auch ekelig, ich auch. Ich möchte das auch nicht mit mir herumschleppen. Deiner ist das auch nicht, na gut. Wieso soll ich ihn dir denn abmachen, kannst du doch selber. Na gut, ich habe ihn dir angehängt, also mache ich ihn auch ab. Legen wir ihn mal zwischen uns, es ist nämlich ein richtiger Berg. Wir sitzen da jetzt an der Kellertreppe und haben den Käse zwischen uns. Sie hat den Kamm und hält ihn immer noch in der Hand. Daß du mir das mit dem Kamm vorwirfst, daß ich dir den nicht mitgebracht habe hat ja eine gewisse Berechtigung, aber ich habe auch eine stinkende Wut, daß ich dir noch die Sachen bringen sollte, weil sich das unter Freundinnen einfach gehört, daß ich weiter für dich sorge, weil ich habe es eigentlich bereut. Ich hätte das mal unsere Wirtin machen lassen sollen, die hat sich nämlich angeboten und die hätte dir gleich den ganzen Koffer gebracht, das konnte ich ja gar nicht, ich war ja viel zu schlapp.

Th: Spüre mal worauf du wütend bist?

Kl: Ich bin wütend darauf, daß das noch nicht genug war sie aus dem Wasser zu holen.

Th: Was erwartest du von ihr? Was willst du von ihr?

Kl: Wolltest du dass ich dir die ganzen Sachen bringe, schlapp und ausgewrungen wie ich war? Ja, das wollte sie. Das findet sie noch berechtigt. Was denkst du denn was ich bin? Bin ich ein Herkules. Du hast mich sowieso immer auf so ein Podest gestellt, wie kraftvoll ich wäre. Das fand ich ja eine ganze Weile ganz schön, aber irgendwann bin ich überfordert, dem gerecht zu werden.

Th: Was willst du von ihr?

Kl: Ich will von dir, daß du mich so siehst wie ich bin und mich nicht in eine Rolle drängst, die ich nicht ausfüllen kann. Du sagst immer, ach hast du das schön gemacht, ach hast du das gut gemacht. Ich bin umgezogen aus der größeren Wohnung, weil ich einfach die Erinnerung an die Familie die nicht mehr da war, nicht mehr ertragen konnte. Das war genauso ein Gesichtspunkt wie die Miete verringern, das hast du bewundert von vorne bis hinten, du hast gar nicht gehört, daß ich in der Wohnung auch ganz doll alleine war. Das habe ich dir auch gesagt, daß ich da raus mußte. Irgendwie hatte ich den Eindruck, du hörst immer nur das was du wolltest, was dann in das Bild reinpasste.

Th: Warum nimmst du ihr den Kamm krumm, was löst der aus?

Kl: Der Kamm löst aus, daß ich nicht immer nach deiner Pfeife tanzen will.

Th: Endlich ein Grund?

Kl: - Lacht. - Endlich ein Grund, an den Haaren herbeigezogen, dir endlich zu sa-gen, daß ich nicht mehr nach deinen Vorstellungen springe, daß ich nicht mehr nach deinen hochgestochenen Maßstäben zu bewerten bin. Ich bin nicht vollkommen, ich bin nicht perfekt und ich denke auch nicht an deinen Kamm obwohl er dir so wichtig ist.

Th: Guck mal ob sie das spürt, daß du eigentlich keinen Bock hast, ob sie deshalb so wütend ist. Frag sie mal.

Kl: Ja, weil ich jetzt von dem Podest heruntersteige. Ich habe Fehler und Schwächen und ich habe auch mal keine Kraft und möchte mich auch mal anlehnen, nicht nur du. Ich möchte mich auch anlehnen und das hast du eigentlich nicht erlaubt, du hast dich immer nur bei mir angelehnt und deshalb kriegst du jetzt keinen Kamm. - Lacht. - Damals habe ich das etwas anders gesehen, es mußte etwas geben, was die Sache zum brechen bringt. Es mußte soweit kommem, daß irgendwas die Sache zwischen uns zum Brechen bringt oder zum Klären oder zum Aufreißen um wirklich reinzugucken in unsere Beziehung.

Th: Ihr habt euch so gezofft, daß ihr fasst beide draufgegangen seid, hat der Tod gesagt.

Kl: Wir haben beide miteinander gerungen, gekämpft.

Th: Und ihr solltet beide wach werden.

Th: Und jetzt gibt es endlich den Kamm.

Kl: Der Kampf ist jetzt offener, weil ich nicht ausweiche und in die Büsche pinkeln gehe. Ich habe dir den Kamm nicht mitgebracht und jetzt sitzen wir beide da.

Th: Jetzt möchte ich mal was vorschlagen. Du möchtest offener sein und irgendwie hast du dir das vorgenommen. Guck mal ob sie sich das auch vorgenommen hat?

Kl: Ja, sie spricht ja gerne über ihre Gefühle.

Th: Hat sie sich vorgenommen auch offener und ehrlicher zu sein. - Klientin bejaht. - Jetzt habt ihr beide eine riesige Lernerfahrung gemacht und jetzt gehst du noch mal zurück an den Strand wo ihr beide euch unterhaltet, wo du abhaust in die Büsche statt ihr ehrlich zu sagen was du willst.

Kl: Das habe ich schon mal.

Th: Dann machst du es jetzt nochmal. So wie es vor dem Unfall war. Ihr geht am Strand entlang und sie quatscht dir zähen Käse über und jetzt bist du mal ehrlich.

Kl: Es kommt ja auch noch das mit dem Fahrrad fahren.

Th: Ja, eins nach dem anderen. Gehe mit ihr am Strand entlang. - Geräusch wird eingespielt. -

Kl: Sissi, dein vieles Erzählen und dann noch das Rauschen von dem Wasser dazu, ich habe solche Schwierigkeiten dich überhaupt zu hören, das ewige Reden das geht mir so auf die Nerven. Höre auf, sei still, ich möchte das Wasser hören und den Sand unter meinen Füßen spüren und nicht immer das Gerede.

Th: Guck mal wie sie reagiert.

Kl: Sie schmeißt ein bisschen den Kopf.

Th: Und wie ist das für dich?

Kl: Irgendwann mußt du das mal verstehen, daß mir das auf den Keks geht. Du hast mir auch geholfen mit diesen Gesprächen über innen und was du da mit deiner Psychologin beredet hast, aber das nimmt kein Ende. Du mußt doch mal Schluß machen. Mir reicht es, wenn du von dir erzählst und deiner Tochter und Enkeltochter. All die anderen Leute interessieren mich nicht.

Th: Guck mal ob sie auf dich hört?

Kl: Sie plappert weiter.

Th: Immer noch. Hau doch mal drauf.

Kl: - Fängt an zu schlagen. - Du wirst jetzt mal anfangen zu hopsen. Ich habe dir deutlich gesagt, dein Gerede ist mir zu viel. Es ist jetzt genug. Ich will es nicht verstehen. Sei still. Ich will die Natur sehen und nicht immer im Kopf sein. Was soll das alles in meinem Kopf. Halt die Klappe. Sei endlich still. - Schreit. - Es ist nicht zum aushalten für mich.

Th: Bring sie doch mal zum Schweigen. Löse das Problem. Hau drauf, bis sie es kapiert.

Kl: Ich will das nicht. - Schlägt und schreit. - Spüre doch wie das Wasser schön an die Steine spült und du redest immer dazwischen. Hast du es endlich kapiert. Ich will meine Ruhe haben.

Th: Schau mal wie sie reagiert.

Kl: Sie ist endlich erschrocken und still.

Th: Hält sie den Mund? - Klientin bejaht. - Horcht sie mal auf das Wasser? - Klientin bejaht. -

Kl: Das kann sie aber nicht und da dreht sie sich wieder um. - Schlägt und schreit. - Guck zum Wasser. Ich will deinen Mund gar nicht sehen. Hast du endlich verstanden.

Th: Wie reagiert sie?

Kl: Sie guckt zum Wasser, sie kann auch still sein.

Th: Kannst du es genießen?

Kl: Ich muß mich erst mal abregen von all dem Gerede. Ich bin mir nicht sicher ob sie nicht wieder anfängt.

Th: Guck hin. Schau sie an ob sie redet.

Kl: - Schlägt weiter. - Still sollst du sein.

Th: Was ist jetzt.

Kl: Jetzt hat sie sich auf einen Stein gesetzt. Offensichtlich kann sie jetzt das Wasser angucken.

Th: Sag ihr mal sie soll Kniebeugen machen, damit du siehst ob sie in dir macht was du willst.

Kl: Siegrid mach mal ein paar Kniebeugen. Sie streckt immer die Hand nach mir aus. Sie macht Kniebeugen, aber streckt immer die Hand nach mir aus.

Th: Hau doch mal drauf. Mache es mal, mach es klar, schluß jetzt.

Kl: Also nimm die Hand weg oder ich haue drauf. - Schlägt. - Sie nimmt jetzt die Hand weg. - Schlägt weiter. - Du brauchst nicht nach mir zu langen. Ich sage wenn es soweit ist. - Schlägt weiter. - Nimm sie weg. Ich hau doch noch richtig drauf. Jetzt sitzt sie still und hält die Arme so.

Th: Macht sie Kniebeugen?

Kl: Also jetzt machst du sechs Kniebeugen. Und jetzt stehst du auf und drehst dich herum und jetzt anders herum. Jetzt stehst du auf und wieder hinsetzen.

Th: Sie soll dich mal anschauen und du schaust ob sie redet. - Klientin verneint. - Na wie ist das?

Kl: Da ist noch irgendetwas. Da ist noch so eine Widerborstigkeit bei ihr.

Th: Hast du eine Ahnung wo es herkommt?

Kl: Das hat mit unserem Kampf zu tun.

Th: Wozu kämpft ihr noch?

Kl: Wir kämpfen irgendwie um Macht und die stärkere Position. Wer hat die Macht in meinem Leben. - Schlägt. - Ich. Verstehst du.

Th: Akzeptiert sie, daß du deine Macht in deinem Leben hast?

Kl: Ich glaube schon.

Th: Akzeptierst du, daß sie ihre Macht in ihrem Leben hat.

Kl: Ja, ich akzeptiere, daß du deine Macht in deinem Leben hast und wenn du mir was sagst, versuche ich dem nachzukommen, wenn du es mir ein zweites Mal sagst denke ich, ich habe es verstanden und wenn ich dir was zwei dreimal sage, dann hast du es auch zu verstehen sonst gibt es Krach.

Th: Und guck mal wie sie guckt.

Kl: Verstehst du? - Schlägt weiter. - Jetzt geht sie einen Schritt zurück. Ich meine es ernst. Jetzt ist es in der Waage.

Th: Spüre mal die Ausgewogenheit zwischen euch.

Kl: Ich will nicht so schräg stehen oder sondern gleichwertig.

Th: Gut, dann fahre mal mit ihr Rad und schau mal wie es abläuft. Schau mal, ob es nach den neuen Erfahrungen noch ein Kampf ist.

Kl: Es hat keine Bedeutung. Die Landschaft ist schön und du kannst fahren wie du willst. Wir können uns ja an einer Stelle treffen. Es ist mir egal ob du trainiert bist oder nicht.

Th: Guck mal wie sie darauf reagiert wenn du losläßt?

Kl: Ja sie muß auch nicht strampeln.

Th: Merkst du, wenn einer losläßt kann der andere auch loslassen.

Kl: Das mit dem Ausziehem war auch so, daß ich mich schnell ausgezogen habe und sie betont langsam.

Th: Spüre mal, wie ihr euch jetzt auszieht.

Kl: Jetzt ist es so, daß ich mich schnell ausziehe, weil ich gerne schnell ins Wasser gehe und sie kann es machen wie sie es will. Ich gucke mich gar nicht um. Du kannst trödeln, ich habe das Bedürfnis direkt ins Wasser zu gehen und das mache ich auch. Dass wir gemeinsam ins Wasser gehen, das muß ja gar nicht sein. Kannst auch baden so lange wie du willst, aber pass auf dich auf. Ich weiß nicht was das ist, es ist als wenn du dich manchmal wie ein Kind benimmst und andere in die Rolle von Vater und Mutter zwingst. Du machst dann auf extrem hilfsbedürftig.

Th: Macht sie es jetzt?

Kl: Ja, mit dem ins Wasser gehen. Huch ist das kalt und jetzt muß ich alleine ins Wasser, was soll das.

Th: Spüre mal was sie in dir hochholt, wenn sie das macht.

Kl: Das sind Vater und Muttergefühle und ich bin für eine gleichaltrige Erwachsene verantwortlich. Ich bin nicht für dich verantwortlich. Du bist für dich selber verantwortlich. Das streitet sie ab, daß sie es mit Absicht macht in mir so eine Verantwortung hoch zu holen. Das kommt bei mir anders an.

Th: Das ist aber dein Gefühl. Woran erinnert es dich, was willst du nicht haben. Das mußt du irgendwoher kennen.

Kl: Andauernd verantwortlich zu sein.

Th: Wer verlangt das.

Kl: Na mein Mann. Ich bin für die Kinder verantwortlich, ich bin ja schließlich zu Hause und dann muß ich das auch alles machen. Ich muß allen Kram aufräumen und jedes Pflaster das nötig ist und jeder laute Ton, für alles bin ich verantwortlich. Und in der engen Wohnung bei Regenwetter halte du mit deinen übersensiblen Ohren mal drei Kinder ruhig, daß kannst du mir mal vormachen. Ich kann ja nicht allen den Mund zukleben und Socken drum wickeln damit sie leise schreien. Das ist ein Unding, das geht nicht. Man kann sich nur mit ihnen hinsetzen und mit ihnen spielen damit sie ruhig sind. Du versteckst dich immer hinter deiner Unterrichtsvorbereitung. Das kotzt mich an. - Weint und schreit und schlägt. - Ich kann das nicht mehr aushalten, daß du alles mir zuschiebst. Ich mache das nicht mehr mit. Gehe doch in die Bibliothek, da kannst du in Ruhe hocken. - Schreit und schlägt eine Weile.Musik unterstützt. -

Th: Wie reagiert er denn jetzt?

Kl: Er ist verwundert. Er tut, als wenn er das noch nie gewußt hat.

Th: Ich habe einen Vorschlag. Sage doch mal den Kindern sie sollen bei ihm mal ganz viel Krach machen.

Kl: Kommt mal alle drei rein ins Wohnzimmer in diesen edlen Holzraum zu eurem Papa und dann steigt mal über den Tisch, ihr dürft es. Los! Wie ihr wollt könnt ihr herumturnen. Stellt alles an einen anderen Platz, reißt die Decke herunter ihr dürft es. - Lacht. - Los, dreht den Tisch um, die Beine nach oben und vor allen den Stuhl vom Schreibtisch, macht daraus ein Fahrrad. Er steht da wie Pic sieben. Das hast du noch nie erlebt.

Th: Gefällt es ihm?

Kl: Der weiß nicht ob er lachen oder weinen soll. Am besten nehmt ihr noch Vaters Hefte und macht was damit. Das geht zu weit.

Th: Warum? Mache es doch wenn du Lust hast.

Kl: Ich verstecke die. Jetzt stehst du da und hast nichts zu tun. Jetzt will ich dir mal was sagen. Du hast mich als Puffer benutzt. Mich zwischen die Kinder und dich gestellt. Ich sollte dir gerecht werden indem ich funktioniere und drei lebhafte und gesunde Kinder ruhig halten in einer Miniwohnung. Und die Kinder, denen wollte ich gerecht werden, daß sie Freiraum haben, die wollten spielen und jetzt mach du das mal. Ich setze mich in den Sessel und will nicht gestört werden auf keinen Fall. - Schlägt und weint laut. - Da guckst du, das kannst du nämlich auch nicht.

Th: Was sagt er denn dazu?

Kl: Er kann sich nicht vorstellen wie das gehen soll und er kann das auch nicht. Jetzt stelle dir vor es regnet drei Tage, wie kommst du dir denn da vor wenn du das durchhalten sollst. Es tut ihm leid. Er fasst mich um.

Th: Dürfen sie ab jetzt laut sein?

Kl: Wir müssen eine andere Lösung finden. Du mußt in der Bibliothek arbeiten, die Kinder müssen sich zu Hause bewegen können. Auch wenn dir das nicht gefällt, aber so geht das nicht mehr. Er sucht sich in der Bibliothek einen Platz. Die Kinder, die hopsen herum. - Lacht. - Die sind in Ordnung, sie sind nicht mit Absicht laut. Sie üben Gitarre und Flöte und das nervt manchmal am Anfang wenn man ein Instrument lernen will. Mein Mann geht in die Bibliothek und kommt dann zum Abendbrot wieder.

Th: Wie fühlst du dich damit?

Kl: Gut, sogar sehr gut. Ich bin total erleichtert, daß alle zu ihrem Recht kommen und ich auch. Ich bin raus aus dieser Pufferzone. Verantwortung ist ja gut, man muß ja auch ein Anlaufpunkt sein für die Kinder, aber nicht so zerrieben werden.

Th: Gut, dann gehe mit dieser Erfahrung noch mal zu deinem Badeurlaub und lasse sie mal ins Wasser gehen und spüre mal wie es sich anfühlt.

Kl: Sie geht so rein, hach es ist kalt. Du mußt ja nicht reingehen.

Th: Kannst du lachen drüber?

Kl: Ja, du kannst ja draußenbleiben. Mach doch oder nicht.

Th: Und was macht sie?

Kl: Sie geht rein.

Th: Laß sie reingehen und guck hin ob es immer noch zu diesem Unfall kommt.

Kl: Ich glaube sie hat jetzt mehr Verantwortung für sich.

Th: Guck hin, was passiert.

Kl: Sie spürt die Kraft der Wellen und als der Boden unter den Füßen plötzlich weg ist, ist sie geistesgegenwärtig genug um schnell in die Richtung zu gehen wo sie Grund hatte.Es ist nur ein großer Schritt und das schafft sie. Sie schluckt zwar auch Wasser, aber sie weiß wo sie hinmuß und ist ganz erleichtert, daß sie es geschafft hat.

Th: Wie geht es weiter?

Kl: Sie kommt jetzt raus, daß hat ihr gereicht. Du bist ja so schnell wieder draußen, war wohl kalt oder? Das ist ja gemein von mir. Hast ein bisschen den Grund verloren, aber zum Glück gleich wieder gefunden. Komm her, wir sind schon ein Pärchen.

Th: Jetzt hole ich mal den Kamm dazu und lege den dazwischen. Was passiert?

Kl: Der ist nicht wichtig. Ist der Kamm noch wichtig für dich? Nein. Es ist egal. Sie hat noch zehn Finger und kauft sich einen neuen Kamm. Und warum hast du ihn mir so vorgehalten? Das war wegen unserem Machtkampf. Und der Haufen Käse? Wollen wir damit den Strand verunreinigen? Ach, den fressen die Möwen. Den alten, triefenden Käse den lassen wir am Strand und denken beide, daß die Möwen den gerne essen.

Th: Dann schicke ich euch nochmal den Tod vorbei. Guck mal wie er ausschaut.

Kl: Der Tod, der hat einen Anzug an und geht am Strand spazieren. Er guckt im Wasser ob er wen sieht, aber wir sind ihm nicht wichtig. Er geht seines Weges in eine andere Richtung. Da ist noch was wo ich auf mich schimpfe. Nach dem Unfall waren ja die Räder am Strand geblieben und das habe ich der Wirtin gesagt und die mußten ja geholt werden. Da hat sie gesagt,sie wüßte jemanden, aber der verlangt siebzig DM. Da habe ich gedacht, das hat Sissi eingebrockt, das kann sie auch bezahlen. Da habe ich der Wirtin gesagt, daß Sissi das bezahlt. Ich habe meinen Urlaubsanteil bezahlt und nichts für die Räder und habe gedacht, das bezahlt Sissi und darüber war sie auch wütend. Ich dachte immer, unsere Rückfahrt vom Strand hast du verhindert, weil du dich zu tief ins Wasser begeben hast und dann habe ich nicht eingesehen, daß ich auch noch für den Rädertransport was bezahle. Da sagt sie halbe, halbe.

Th: Spüre mal was das mit dir macht. Was löst das aus bei dir.

Kl: Ich muß sagen, daß ich das einfach entschieden habe, weil ich ja entscheiden mußte und habe eigenmächtig dir den Packen zugeschoben, aber du hast schon recht, daß wir uns beide die Räder ausgeliehen haben und beide dafür verantwortlich sind. Damals habe ich gedacht, mit der Organisation des Rücktransportes habe ich genug getan. Heute fühle ich mich mit der Entscheidung nicht so gut. Damals fand ich das nur gerecht, daß ich nicht auch noch bezahlen muß was ich nicht angestellt habe. Aber weil wir uns beide die Räder ausgeliehen haben, zahle ich die Hälfte.

Th: Wie reagiert sie?

Kl: Das ist in Ordnung.

Th: Wie ist das für dich?

Kl: Das ist ok. Die fünfunddreißig Mark sind noch offen, die ich dir bei Gelegenheit gebe.

Th: Mache es doch jetzt mal innerlich.

Kl: Bitte, hier sind die fünfunddreißig Mark. Sie nimmt es gerne. Sind wir jetzt in Ordnung mit der Sache? Gut.

Th: Schau sie mal an.

Kl: - Weint. - Du bist doch meine Freundin, auch wenn das so schlimm war. Wir können wieder miteinander richtig reden, aber nicht soviel.

Th: Und spüre mal, daß du auch stop sagen kannst.

Kl: Wenn du wieder endlos redest schreie ich stop oder schubse dich an, daß ich auch noch da bin. ... Ich habe ja noch bis ein Jahr nach dem Unfall um ein Gespräch gebeten, aber wir konnten nicht mehr zusammen kommen. Es war so ein Horror, daß sie wieder endlos redet. Aber sie hat es versprochen und ich bin entschiedener und kann jetzt auch laut werden. Ich bin jetzt bewußter, daß ich es nicht hören will und auch nicht muß. Ich muß dir nicht mehr stundenlang zuhören. Nach einem Beispiel kann ich sagen, es reicht und dann können wir Stille genießen am Strand oder auf der Bank. Wir sitzen auf der Bank und verstehen uns. Das ist schön. Jetzt ist da noch der Käsemann und Kohlenmann und Hautkrebs, der auch mit Käse zu tun hat.

Th: Ja guck hin. Was nimmst du wahr?

Kl: Dass der sich auf seine Schippe stützt, aber es ist unter dem Arm wie eine Rinne, da ist auch Käse drin.

Th: Frag ihn doch mal was das ist oder was das soll, was du machen kannst.

Kl: Da ist unter meinem Arm eine Rinne mit Käse drin da kann man mit einer Kuchengabel reinpiken und dann wickelt sich der Käse auch um die Gabel. Kannst du mir bitte was dazu sagen? Beziehungskäse. Was meinst du? Es gibt noch anderen Käse in Beziehungen zu anderen Freunden und Bekannten. Unnötig viel Käse, unnötig viel Zugeständnisse. Ich soll da reinpiken und die Käsebrocken wegschmeißen. Wen soll ich mir da angucken? Rita, das ist eine Sportfreundin. Komm doch mal bitte her, hier gibt es Beziehungskäse zwischen uns. Du organisierst alles schön zwischen uns und erwartest, daß alle begeistert dir zustimmen und das toll finden und nicht jeder findet das toll und ich muß dir sagen, ich finde das nicht so gut, ich möchte da nicht so unbedingt mitmachen und ich will auch keine Begründung abgeben. Ich will dich nicht beleidigen, ich finde das toll wenn du das organisierst, aber es muß ja nicht jeder mitmachen. Ich habe immer mal eine Ausrede gesucht und habe nicht die Wahrheit gesagt, aber ich sage dir jetzt mal ehrlich, ich möchte da nicht mitfahren weil ich keine Lust dazu habe. Es ist schön wenn wir mit den Sportfreunden einen Ausflug machen, aber ich setze mich nicht fünf Stunden in den Bus und höre mir das ewige Geschnatter von den Anderen an. Für mich ist das sehr anstrengend. Dann gibt es dort schon vorbestelltes Essen und ich möchte das nicht essen und ich möchte auch nicht mit euch Wein trinken, weil ich das nicht vertrage. Das sind alles wenns und abers die mich davon abhalten. Ich bin gerne mit euch zusammen aber nicht auf zwei Tage.

Th: Wie reagiert sie?

Kl: Ich hätte es schon längst sagen sollen, meint sie.

Th: Guck mal, was mit dem Käse ist.

Kl: Das Erste ist schon rausgehebelt. Es gibt auch eigentlich gar keinen Grund, daß ich es ihr nicht sagen kann. Sie versteht das.

Th: Guck mal zum Kohlenmann, laß dir zeigen was zu tun ist.

Kl: Was ist noch? Gudrun muß auch herkommen. Gudrun, du als Lehrerin kannst mich totreden, da komme ich gar nicht zum Satz bilden. Vielleicht hörst du auch mal zu, wenn ich dir was sagen möchte, ich muß doch auch mal zu Wort kommen, oder daß ich deine langen, redegewanten Sätze nicht möchte. Du mußt nicht alles fünf mal erklären. Ich bin doch nicht deine Schülerin. Ein Satz reicht. Ich weiß, daß du das vierzig Jahre gemacht hast und nicht anders kannst. Wie wollen wir verbleiben? Du kannst mich ja dabei angucken und wenn du merkst ich hole tief Luft und komme immer noch nicht zu Wort oder wie wollen wir es machen.

Th: Ich habe einen Vorschlag, stop sagen.

Kl: Ja, das ist kurz genug um in dein Luftholen reinzupassen.

Th: Mach es mal.

Kl: Also Gudrun, stop! Ich möchte auch was sagen. Das funktioniert jetzt. Ich möchte dir sagen, du hast es mir mit den zwei Sätzen bereits gesagt. Ich habe dich verstanden und ich möchte, daß wir bei dieser Abmachung bleiben.

Th: Wie reagiert sie?

Kl: Das findet sie auch in Ordnung. Sie nimmt es an. Komme ich endlich auch mal zu Wort.

Th: Probiere es doch nochmal.

Kl: Stop! Du hast mir von deinem Karl schon alle Geschichten erzählt und außerdem habe ich drei Kinder und kenne Kindergeschichten genug. Schluß, genug, ich habe verstanden. Gut.

Th: Guck mal zum Kohlenmann.

Kl: Das geht noch weiter. Da ist noch Lisel. Sie ist eine ganz Kluge, sie weiß immer Rat und weiß immer alles und überschüttet einen mit ihrer Klugheit und wenn sie es nicht weiß, weiß es ihr Mann. Wenn ich was wissen will, dann frag ich dich oder auch jemanden anders, verstehst du das. Ich kann ja verstehen, daß du voller Wissen steckst und das auch aussprechen und auch glänzen willst aber bei mir brauchst du das nicht. Ich fage dich oder guck selbst in einem Lexikon nach. Na ja, vielleicht habe ich das etwas deutlich gesagt. Ist schon gut, sagt sie.

Th: Wie geht es dir jetzt?

Kl: Es geht mir besser wenn ich die Beziehungen nicht schöne, wenn ich noch offen und ehrlicher bin und nicht Käse drumherum mache. Ich mache den Käse, fettig und unverdaulich für mich.

Th: Laß mal all die anderen da sein. Guck mal wer alles auftaucht.

Kl: Das betrifft alle, bis auf eine. Eine andere Sissi. Zu dir bin ich ganz ehrlich und du nimmst dich auch zurück wenn du merkst, daß es mir zuviel wird. -Weint. - Ich finde dich ganz toll. Du verstehst mich so sehr. Ich brauche keinen Schmuß zu machen. Die anderen fallen dagegen ab, weil ich sie beschweren mit dem Käse. Nimm doch mal den Käse weg.

Th: Nimm mal überall den Käse weg, mach mal ehrliche Beziehungen daraus.

Kl: Ich nehme die Gabel und nehme von Lisel den Käse weg und von R. und der anderen R. und von G. und von V. und R. und Ehepaar H. und B. B., du bist mir sehr schwer. Du hängst schwer an mir dran. Ich würde gerne auf gleiche Ebene mit dir kommen. Du bist aber vom Wuchs so groß und ich bin so klein und mollig.

Th: Was löst sie aus bei dir?

Kl: Ich fühle mich klein, dick und schwer.

Th: Löst sie Minderwertigkeitsgefühle aus? - Klientin bejaht. - Guck mal was das für welche sind. Laß sie mal auftauchen.

Kl: Ich muß immer was parat haben, womit ich sie beeindrucke. Das ist immer ein bisschen verkrampft und ich muß mir so eine Mühe geben.

Th: Guck mal wer vor dir steht, vor wem gibst du dir die Mühe.

Kl: Meine Mutter. Du machst das wie meine Mutter, du holst bei mir die selben Gefühle hoch wie meine Mutter. Ich muß immer super sein und was bringen wofür du mich loben kannst und ich fühle mich immer unter Zwang und fühle mich schlecht. Wo soll ich das denn immer hernehmen?

Th: Hole mal deine Mutter.

Kl: Hallo Mutter. Stell dich mal neben B., ihr seid ein Paar. Ich fühle mich ganz blöd oder muß mir immer was ausdenken oder bin froh, wenn ich mal was Neues gelesen habe um damit was darzustellen wo du stolz sein kannst auf mich. Das geht doch nicht am laufenden Band.

Th: Was willst du denn von ihr?

Kl: Ich will, daß du mich so nimmst wie ich bin. Ist das nicht genug. Reicht das nicht, daß ich da bin und es so gut mache wie ich kann. Muß ich immer noch was aus mir rausquetschen. Andauernd soll ich was bringen. - Fängt an zu schlagen. - Leistung, was darstellen. Ich will nicht immer was bringen. - Weint und schreit und schlägt. - Ich muß auch nicht immer lächeln. Manchmal ist mir ganz anders. Es ist genug mit der scheiß Spielerei. Mir reicht es schon lange und ich mache es jetzt anders.

Th: Schau mal wie deine Mama reagiert.

Kl: Sie kocht so schnell keinen Spinat mehr.

Th: Mußt du immer noch was tolles bringen?

Kl: Muß ich immer noch was darstellen? Es tut ihr leid, daß sie mich so gedrängt hat. Ich habe auch das Lob gebraucht.

Th: Was wolltest du denn eigentlich von ihr?

Kl: Ich wollte eigentlich deine Liebe. Ich habe immer gedacht, ich kann deine Liebe gewinnen. Aber du hast mich gelobt und hast mir auf die Schulter geklopft, aber eigentlich wollte ich, daß du mich auf den Arm nimmst, aber da war irgendwas zwischen uns was nicht ging. Ich denke das ist jetzt weg, weil du meine Verzweiflung gesehen hast. So hätte ich auch nicht weitermachen können. Ich war total verzweifelt. Ich war am Ende.

Th: Zeig ihr das doch mal, nimm sie mit.

Kl: All das "sich produzieren müssen" hat mich zur Verzweiflung gebracht. Ich war richtig ausgepowert, ausgequetscht. Ich war am Ende. Es ist so schlimm gekommen, daß der Tod schon seine Hand auf mich gelegt hat. Mich kann nur eins retten, daß du mich gern hast, das andere mich so nehmen wie ich bin. Das einfach Liebe da ist und Offenheit.

Th: Guck mal wie sie reagiert.

Kl: Sie gibt mir die Hand, daß ich zu ihr hinkommen kann. Sie nimmt mich in den Arm. Ich möchte Frieden und Geborgenheit. - Weint stark eine Weile. Musik unterstützt. - Der Käsemann hat seine Schippe auch weggestellt und sich zu dem anderen gesetzt. Die warten jetzt ab. - Session wird beendet.

 

Kontakt
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Zuletzt aktualisiert am: 15-Jan-2010 0:20
made by Bernd Joschko