Studien, die einzelne Parameter untersuchen, vernachlässigen die Komplexität

Brustkrebs: bei Eskimofrauen eine Rarität Neue Studien beweisen: Fischöl schützt die Gesundheit

Von Dr. med. Jochen Kubitschek - Arzt und Wissenschaftsjournalist

Kommentar:

Das Brustkrebsrisiko bei Eskimofrauen ist niedriger als bei anderen Frauen. Woran liegt das? An der Ernährung? Ist Fischöl wirklich der Hauptfaktor für ein niedrigeres Brustkrebsrisiko? Mit Sicherheit kann die Ernährung das Brustkrebsrisiko positiv beeinflussen. Eskimofamilien leben mit ihren Familien besonders eng zusammen. In der klirrenden Kälte wird nicht mehr "gekuschelt" als bei Paaren in unseren Breitengraden. Während ein deutsches Paar im Durchschnitt 1 - 2 Mal pro Woche Sex hat (Quelle: Statistisches Bundesamt), schlafen Eskimos durchschnittlich 3 - 4 Mal pro Woche zusammen.

Fazit: Nicht allein die Ernährung, sondern Lebensstil und Sexleben beeinflussen das Brustkrebsrisiko.

Dass die in Fischöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren über eine drastische Absenkung der sog. Neutralfette (Triglyceride) vor Arteriosklerose und bestimmten Herz-Kreislauferkrankungen schützen, ist schon lange bekannt und wissenschaftlich gut abgesichert.

Viele Ärzte glauben, daß diese Schutzwirkung aber zusätzlich über eine Beeinflussung bestimmter Blutzellen (Thrombozyten) zustande kommt. Durch die Verminderung der Blutgerinnungsfähigkeit wird das Risiko für eine Entstehung lebensgefährlicher Blutgerinnsel (Thrombose) deutlich vermindert. Wissenschaftler der in Perth gelegenen Universität von West Australien konnten jetzt zu diesem Thema interessante Forschungsergebnisse vorlegen.

Ein Forscherteam um Dr. Trevor A. Mori fand bei einer Gruppe von 120 Herzrisikopatienten heraus, daß Fischmalzeiten und Fischölkapseln die Gerinnungsfähigkeit des Blutes dann besonders stark herabsetzten, wenn der erhöhte Konsum an Omega-3-FettsSuren Bestandteil einer allgemein fettarmen Diät ist. Dr. Mori empfahl daher gesundheitsbewußten Menschen im Fachblatt Arteriosklerosis, Thrombosis and Vascular Biology, daß sie eine allgemein fettreduzierte Diät pro Woche mit mehreren Fischmalzeiten anreichern sollten.

Nahezu gleichzeitig wurde im Zusammenhang mit Omega-3-FettsSuren eine zweite Studie vorgestellt, die überraschende Ergebnisse erbrachte. Nach diesen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen deutet sich die Möglichkeit an, daß die insbesondere in Kaltwasserfischen vorkommenden Fischöle auch vor Brustkrebs schützen. Kanadische Wissenschaftler hatten beobachtet, daß Brustkrebs bei den in den eisigen Northwest-Territories lebenden Inuit-Frauen extrem selten vorkommt - die Zahlen liegen lediglich bei einem Fünftel des kanadischen Durchschnitts. Jetzt rätseln die Forscher, woran dies liegen könnte. Daß die in Fischölen enthaltenen Fette gesünder sind, als die mit der industriell aufbereiteten Nahrung aufgenommenen Fette, wird heute von niemandem bestritten.

Doch möglicherweise spielen neben dem starken Fischkonsum der Eskimofrauen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Andre« Corriveau von der Gesundheitsbehörde der Nordwest- Territories erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß die Inuit-Frauen ihre Kinder sehr viel früher bekommen und jeweils bis zur Geburt des nächsten Kindes stillen. Dadurch haben sie seltener Regelblutungen und weniger Eisprünge.

"Dabei könnte etwas mit den Hormonen passieren, die bei jedem Eisprung ausgeschüttet werden", spekuliert Corriveau. Doch die in Toronto lebende Wissenschaftlerin Cornelia Baines meint, daß wahrscheinlich auch die fehlende Umweltverschmutzung eine gewisse Schutzwirkung hat. Wenn dies wahr wäre, dann müßte sich in Zukunft die Zahl der Brustkrebserkrankungen auch in den eisigen Tundren des hohen Nordens parallel zur Zunahme der weltweiten Umweltverschmutzung spürbar erhöhen.

 

 
Focus: Senkt die Sonne das Brustkrebsrisiko?

Ester M. John

Epidemiologin am Krebsforschungsinstitut in Union City/Kalifornien

 

Die Ausgabe 46/1997 schildert ein Interview mit Ester M. John, Epidemiologin am Krebsforschungsinstitut in Union City/Kalifornien.

Kommentar:

Mit Sicherheit hat Vitamin D eine positive Wirkung auf die Verminderung des Krebsrisikos. Jedoch der Schluß der höheren Sonnenstrahlung auf die Anzahl der Brustkrebserkrankungen ist ein nur scheinbar kausaler Zusammenhang.

John fand heraus das höhere Sonneneinstrahlung möglicherweise das Brustkrebsrisiko vermindere. Man müsse jedochn noch abwarten, bis die endgültigen Ergebnisse der Studie ausgewertet seien. Man könne jedoch davon ausgehen, daß eine Viertelstunde Sonnenschein täglich das Brustkrebsrisiko senke. Die Sonne rege den Körper an eine besonders aktive Form des Vitamin A zu produzieren. Dies habe im Tierversuch das Wachstum von Krebszellen gebremst. Der tägliche Bedarf an Vitamin D könne über die Ernährung (Eigelb, Leber, Fisch) und über Sonneneinstrahlung (15 Minuten täglich).

Die Neu-Ausweitung der Krebsstatistiken der USA zwischen 1971 und 1975 habe ergeben, daß in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung deutlich weniger Frauen an Krebs erkrankt waren.